Dame

Eine Tangodame zu sein, sich „führen“ zu lassen, ist nichts „Natürliches“.

Vor allem ist es anfangs schwer.

Es geht darum zu lernen, direkt, und ohne zu überlegen auf die Führungsimpulse des Partners zu reagieren – so, wie ein Auto auf das reagiert, was der Fahrer tut.

Es geht – um bei unserem Bild zu bleiben – darum, ein Auto zu werden.

Einfach abschalten, und „IHN“ machen lassen, funktioniert nicht. Der Motor muss selbständig laufen, alle notwendigen technischen Voraussetzungen wie Getriebe, Reifen und Kraftstoff müssen zur Verfügung stehen. Aber selbst „zu wissen“ welche Schritte „SIE“ machen soll, funktioniert genauso wenig.

Zunächst einmal ist zu definieren, wie eine Tangodame aussieht, welche Eigenschaften diese Spielfigur besitzt.

Eine Tangodame ist nichts Konkretes. Sie wird durch den Tänzer im Moment des Tuns erschaffen. Sie ist nicht zu sehen, denn sie steckt im Körper der Person, die sich führen lässt. Dieser Körper verändert sich nicht. Er kann sich ganz unterschiedlich bewegen. Soll er aber nicht. Er soll sich nur so bewegen, wie sich eine Tangodame bewegen soll und darf.

Die Tangodame existiert nur für die Dauer des Tanzes. Außerhalb des Tanzes ist sie eine abstrakte Idee.

Um sie zu erschaffen, muss man wissen wie eine Tangodame „gebaut“ ist, welche Bewegungseigenschaften sie aufgrund ihrer „Bauweise“ besitzt, wie eine Tangodame sich bewegen soll und darf, welche Form/Haltung der reale Körper des Tänzers einnehmen muss, um dies optimal tun zu können.

Das allein reicht allerdings nicht aus, denn sobald sich diese „Form“ bewegen soll, braucht sie eine entsprechende „Technik“.

Das ist genau wie beim Auto, und genau wie bei einem Auto, bleibt diese „Technik“ dem Betrachter durch eine äußere Hülle verborgen.

Ein Großteil dessen, was die DAME tun muss, spielt sich im Verborgenen, quasi unter der Motorhaube ab. Die Führungsimpulse des HERRN müssen sich direkt von ihrem Oberkörper auf die Bewegungen ihrer Hüfte und Beine übertragen. Das kann man sich so vorstellen, wie beim Auto die Bewegung des Lenkrades über (das) Lenkgetriebe, -gestänge und -hebel auf die Vorderräder übertragen wird. Da es solche Übertragungswege im realen Körper der DAME nicht gibt, müssen sie, mithilfe der Muskulatur „geschaffen“ - und gefühlt werden.

Derjenige der geführt werden möchte muss, sobald der Tanz beginnt, seinen Körper in der für diesen Tanz spezifischen Form bereitstellen. Der Führende muss sich darauf verlassen können, denn davon hängt ab, was er tun muss um den Partner zu „führen“.

Er muss auch davon ausgehen können, dass die DAME nicht nur über die Form, sondern auch die Technik einer Tangodame verfügt, um sich in entsprechender Weise beschleunigen, bremsen und lenken zu lassen.

Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Tangodamen, die ganz unterschiedlich reagieren. Aber so wie ein Auto nur ein Auto ist, wenn es bestimmte Eigenschaften besitzt, ist es auch die Tangodame nur dann eine Tangodame, wenn sie über die dafür notwendigen Eigenschaften verfügt.

Die DAME befindet sich dauerhaft in einem Zustand erhöhter körperlicher Aufmerksamkeit, ständig bereit, möglichst schnell auf die Impulse des HERRN zu reagieren, ohne zu wissen was kommt, und ohne die Initiative zu übernehmen.

Am besten versucht sie auch gar nicht erst zu erraten, was der HERR möchte, denn erstens sind ihre Chancen groß, etwas Falsches zu erraten, und zweitens verlängert der Weg über den Kopf die Reaktionszeit. Selbst, wenn sie ganz schnell denkt: was will er …. Ah: ich soll – jetzt muss ich …… bums fällt sie um, weil der HERR schon weiter ist, während sie selbst sich noch gar nicht bewegt hat.

Für sie geht es nur darum ihre Position zum HERRN beizubehalten. Egal wohin dieser sich bewegt.